Okerlandfahrt 2011

Die diesjährige Okerlandfahrt war eine Fahrt der Gegensätze. Wir kreuzten zwar nicht die Oker, denn sie führte uns an den Oberlauf der Aller, da wo die Aller fast noch ein Bach ist, nach Morsleben.

Auf dem Weg in Richtung Osten wähnte man sich fast wie in der Toscana, leichte Dunstschleier lagen über den Tälern und Hügeln und über den zum größten Teil schon abgeernteten Feldern schien die Sonne. Die Cabriofahrer hatten ihre helle Freude, die anderen natürlich auch. Doch plötzlich, an einem kleinen Parkplatz große Maschinen und der Blick in das sich dahinter befindliche riesengroße Tal zeigte uns an, wir sind am Braunkohlentagebau.

Vorbei war es mit der schönen Natur, wobei ich sagen muss, auch dieser Anblick hatte seine Reize. Hier machten wir unsere kleine Pause und nach einem Gruppenbild mit Braunkohlenbagger fuhren wir weiter Richtung Morsleben. Die Obstbäume an den Straßen hingen voller Äpfel und Birnen, viel Obst lag auch schon auf der Erde bzw. im Graben.


Ziel war aber nicht etwa das Atommüllendlager in Morsleben (haben wir hier selber in der Asse), sondern das kleine gemütliche Mühlencafe am Ortsrand an der Aller gelegen.

Man erwartete uns schon zur Mühlenführung und wir waren begeistert von den alten Maschinen, Werkzeugen und Gerätschaften, die wir dort bestaunen durften. Draußen auf dem Hof gab es „Mühlenschnitzel“ als einziges Gericht, das tat der Freude aber keinen Abbruch, einige nahmen nur Salat. Zwischendurch konnten wir noch die vielen Kannen und anderen Haushaltsutensilien ansehen, die überall auf Regalen fein säuberlich aufgestellt waren.


Einen steilen Berg hinauf und dann noch 2 Kilometer und wir sahen die riesige betonierte Unwirtlichkeit, die Gebäude und Lichtmasten, die das ganze Gelände bei Dunkelheit taghell erleuchteten, der ehemaligen Grenz- und Transitstation Marienborn.

Der Gegensatz zu dem netten Cafe konnte nicht größer sein. Viele von uns hatten dort früher so manche Stunde gestanden und auf die Abfertigung gewartet. Hatten wir uns eben noch über die schönen Dinge im Mühlencafe gefreut, lief manchem ein kalter Schauer über den Rücken beim Anblick dieses Mahnmals der Teilung Deutschlands und der Unmenschlichkeit des DDR-Regimes. Diente doch die deutsch-deutsche Grenze hauptsächlich der Fluchtvereitelung der DDR-Bevölkerung in den Westen.

Nach einer kleinen Einführung wurden uns die verschieden Gebäude gezeigt und erklärt. Wir sahen die Passkontrollstelle, in der auf endlos langen Förderbändern die Pässe vorsortiert wurden, um dann kopiert und abgeglichen zu werden, wobei dann einigen die Weiterfahrt verweigert wurde. Auch die Werkstatt, in der Fahrzeuge auseinander genommen wurden um nach sogenannten Republikflüchtlingen zu suchen, konnten wir besichtigen. Als letztes bestiegen wir den Kontrollturm mit Blick auf die Autobahn und die ehemalige Grenze.


Die Rückfahrt durch den Elm, zuerst der untergehenden Sonne entgegen, führte uns am Tetzelstein vorbei durch das Reitlingstal und dann über die Dörfer zurück zu den Hallen in Wolfenbüttel.

Schnell hatten wir ein paar Tische und Bänke nach draußen gestellt, es war ja immer noch warm, und der traditionelle Ausklang mit Dosenwurst, sauren Gurken und verschiedenen Getränken begann. Die zufriedenen Gesichter ließen erkennen, es war ein schöner Tag mit großen gegensätzlichen Eindrücken gewesen. Mal sehen, was uns nächstes Jahr einfällt...

Joachim Bomba


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