Die Forscherin und ihre tollen Teddybären

Von Michael Völkel

Tagsüber ist Angela Traudt umgeben von Zebrafischen. Am Zoologischen Institut der TU Braunschweig erforscht sie die Entwicklung und Funktion des Nervensystems - mit den Fischen als genetischem Tiermodell.

Abends ist die Biologisch-technische Assistentin dann oft umzingelt von Bären. Sie ist Hobbykünstlerin, die Teddys mit der Hand zusammennäht. 150 große und 50 kleine sind bereits fertig - und dazu viele Kuriositäten.
Angela Traudt ist gewissermaßen frühkindlich geprägt. Ihr erstes Geburtsgeschenk: Bär Sutti. "Ich habe ihn überall mit hingeschleppt und ihm erzählt, wenn ich was angestellt hatte. Als ich fünf war, fuhr ich mit meinen Eltern nach Italien. Im Harz merkten wir, dass Sutti fehlte. Da gab es nur eines: Sofort umkehren und ihn holen."
Ihr zweiter Bär war so groß wie sie selbst und brummte. "Meine Puppen lagen in der Ecke, die Bären schick angezogen im Kinderwagen. Ich habe sie geliebt."
Als Erwachsene hatte sie dann andere Präferenzen: "Zum Stressabbau habe ich viel genäht, Fensterbilder gemacht und Trockengestecke gestaltet, aber alles eher halbherzig." Erst bei einem Urlaubsflug kam wieder ein Bär ins Spiel.

 

 

Im Halbschlaf zog Angela Traudt ihn vom Stewardesswagen und schlief mit ihm im Arm ein. Ihr Mann sorgte dafür, dass er bleiben konnte - und als Gregory Jahre später die Nase herunterhing, schenkte er seiner Frau einen Bären-Nähkurs. Ein zweiter für Gelenke folgte.
Heute sitzen nun im gesamten Haus der Traudts selbstgemachte Bären. Im Regal zum Beispiel ein Waldbär auf einer Wurzel, mit grüner Blüte auf dem Kopf. In den Ecken stehen ein Zauberer, Arzt, ein Judobär und ein Geiger mit Frack und Bogen.
Auch Dioramen, Hüpfbären an Spiralfedern oder Marionetten hat Angela Traudt schon gestaltet - oder als kleine Mitbringsel Schnuffeltücher mit Bärenkopf, Lesezeichen, Nadelkissen und Teddys mit USB-Stick. Auf Kunsthandwerkermärkten, zum Beispiel in der Alten Waage, bietet sie die Unikate an.
"So recht haben die Leute kein Geld dafür übrig, aber es bleiben immer alle stehen und grinsen von einem Ohr zum anderen", so ihre Erfahrung. Manche sagten auch: "Ich habe es schon selbst versucht. Nie wieder."
Für Angela Traudt ist die Handarbeit jedoch reine Entspannung. 8 bis 15 Stunden Arbeitszeit pro Bär. Das Kniffligste ist die Stoffbeschaffung. Felle sowie Plüsch- und Mohairstoffe besorgt sie auf großen Messen wie "Euro Teddy" und "Creativa" oder bei ebay. "Neulich habe ich bei einer Auktion nicht genau hingesehen und Stoff mit langen Stoppeln gekauft", erzählt sie. "So gibt es nun auch ein eigenes Wildschwein." Fotogalerien sind im Internet abrufbar: www.angelas-baerenfarm.com


Braunschweiger Zeitung, 05.01.2012

 

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