So. werden automobile Träume von einst ausgestellt
Autos und Mode - darum wird es am morgigen verkaufsoffenen Sonntag wieder in der Innenstadt gehen. Der Automobilhandel zeigt dann neuste Modelle. Aber die heimlichen Stars werden Oldtimer sein. Was ihre Faszination ausmacht, erklärt Michael Grasshoff von der HBK.
Grasshoff ist Geschäftsführer des Instituts für Transportation Design & Social Sciences. Dort beschäftigen sich Sozialwissenschaftler, Psychologen, Ingenieurwissenschaftler und Designer mit der Erforschung und Gestaltung von nachhaltigen Mobilitätsprodukten, -systemen und -dienstleistungen.
Das klingt höchst theoretisch. Doch Grasshoff ist auch ein Mann der Praxis mit Herz für Oldtimer - wobei er sein Herz, so berichtet er, nicht an alte Autos, sondern Motorräder verloren habe. Doch auch beruflich ist Grasshoff der Ansicht, dass die Bedeutung von Oldtimern bis in die Gegenwart hinein reiche und nicht unterschätzt werden dürfe: "Linienführung und Stilelemente alter Fahrzeuge werden bis heute von den Herstellern gern zitiert."
Beispiel "New Beetle" von VW: "Geworben wurde mit der stilisierten Kontur des alten Käfers. Eine Ikone des Fahrzeugbaus. Die unverwechselbare Kontur des Käfers hat sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt. Das nimmt man als Hersteller gern auf."
Positiv besetzt sei auch die Erinnerung, sagt Grasshoff: "Oldtimer erinnern immer an gute alte Zeiten." Ein Stück Verklärung der Vergangenheit sei natürlich dabei. "Früher saß der Fahrer in Arbeitskleidung hinter dem Steuer. Heute schafft man dagegen oft ein idealisiertes Gesamtbild der Zeit: Der Fahrer trägt zum Beispiel Knickerbocker. Oder ein alter Lederkoffer ist auf das Heck geschnallt. Als ginge es direkt in den Urlaub."
Nicht unterschätzt werden dürfe zusätzlich die Emotionalisierung, wenn es gelinge, einen Oldtimer zu restaurieren und fahrbereit zu machen - "wieder zum Leben zu erwecken", wie es Grasshoff nennt. Das Hobby werde so zu einem "Schöpfungsprozess. Das Fahrzeug wird vermenschlicht."
Dies verbinde auch die Oldtimer-Szene. Auf der einen Seite stehe, alte Mechanik in Betrieb zu sehen, anderseits sei die Szene "hoch kommunikativ". Denn es gehöre dazu, sagt Grasshoff, nicht nur Anerkennung von Besuchern für das Fahrzeug zu erfahren, sondern auch, das spezielle Oldtimer-Wissen weiterzugeben.
Jörn Stachura - Braunschweiger Zeitung, 02.04.2011



