Acht Jahre restauriert: Geburt eines Oldies
Sogar die ausgebauten Schrottteile hat er aufgehoben, sie hängen an der Garagenwand. Darunter notierten die Töchter: "Papas drittes Kind. Die Geburt eines Oldtimers oder die Steinmannsche Art, einen Glas zu restaurieren." Der Hinweis auf das "dritte Kind" hat offenbar einige Berechtigung. Immerhin baute und schraubte Heinz-Günther Steinmann acht Jahre lang an seinem Oldie. Am 27. April 1998 war es dann endlich soweit: Unter dem Kennzeichen GF-ZT 66 H wurde sein liebevoll restaurierter und knallrot lackierter Glas 1300 GT zugelassen.
Sein Faible für originelle Autos kommen nicht von ungefähr: "Ich ging 1989 m den Ruhestand und arbeitete vorher bei VW in Braunschweig rund 30 Jahre lang als Betriebsmittelkonstrukteur", berichtet der Ettenbütteler. Zudem fuhr er während seiner Freizeit zahlreiche Rallies, die Plaketten zieren einen Balken in seiner Garage.
Infiziert mit dem Glas-Virus wurde der heute 73- Jährige im Jahre 1969. Als Beifahrer fuhr er damals in einem Glas die Rallye "400 Kilometer rund um Gifhorn" mit. Es war ein "flottes Fahrzeug", weiß er noch heute.
An die Rallye erinnerte sich Steinmann auch nach seiner Pensionierung. Gezielt suchte er nach einem entsprechenden Modell, in Celle wurde er fündig. Dort stand ein silberfarbener Glas, der "vorher rot gewesen sein muss", wie er während der Restaurierung an Farbresten erkannte.
Wie aus den Papieren ersichtlich, war die Erstzulassung des Wagens am 5. April 1966. Steinmann selbst erstand den Glas am "21. Januar 1990 mit zweitem Motor und diversen Ersatzteilen. Das Fahrzeug hatte TüV bis 1991", berichtet er.
Probleme gab es trotzdem, "besonders bei den Durchrostungen der selbsttragenden Karosserien, den Radläufen innen, den Kotflügeln".
Zudem wurde der "Motor überholt, die Achsen aufgearbeitet". Steinmann: "Da mir eine Hebebühne fehlte, wurde das Fahrzeug auf Eisenträgern unter die Decke gehängt. Damit konnte man alles erreichen." Im Nachhinein sagt er heute: "Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukam."
Nicht nur die lange Reparaturzeit ist offenbar heute der Grund, sich an keinen zweiten Oldie heran zu wagen. "Es geht zeitlich nicht", sagt der Rentner, der häufig auf Reisen ist, im Wohnmobil mit seiner Frau Christa. Stets mit dabei ist auch der Eurasier namens Akita. Wegen dieses Hundes legte sich Steinmann zudem "im richtigen Leben" einen praktischen Golf Variant zu.
Aber auch der glänzende Glas steht nicht nur in der Garage. Zeigt dessen Tacho heute 128.000 Kilometer an, sind "wir selbst davon etwa 28.000 Kilometer gefahren", sagt der stolze Besitzer.
Das Ehepaar Steinmann ist Mitglied im AutoSport und Oldtimer Club Harz Heide im ADAC e.V. Beide beteiligen sich nach wie vor gern an Oldtimer-Rallyes. "Dabei sitze ich häufig am Steuer, weil ich nicht so gut als Beifahrerin bin", sagt Christa Steinmann. Der Grund "Ich habe es nicht so mit dem Kartenlesen." Und sie gesteht, dass ihr sogar schon ein Pokal überreicht wurde: Die 70-Jährige schmunzelt: "Für die Teilnahme als älteste Fahrerin."
Aller Zeitung, 10.08.2005
