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"Er ist ein Stück US-Geschichte"

Aus der Rubrik: "Ich liebe einen Flop"


Wenn wir diese Geschichte erfunden hätten, keiner würde sie glauben. Da gibt einer seinen selbst restaurierten Käfer her, das beliebteste Auto der Welt, um einen Ford Edsel zu fahren, den größten Flop der Autogeschichte. 1992 war das, der Ami kostete 12000 Mark. So wahrhaftig und groß war die Liebe. Vor allem groß.

Als Reiner Traudt (57) seinen Ford Edsel Ranger - am 13. Februar 1959 erst-mals zugelassen - auseinander genommen hatte, um ihn für den Neulack im original "Jet Stream Blue" vorzubereiten, mussten er und Ehefrau Angela fast aus dem Haus ausziehen. Kein Platz mehr, überall Teile, alles voll. "Wir mögen große Autos", sagt Traudt und breitet die Arme aus. 5,36 Meter misst sein Ranger Twodoor Sedan in der Länge, über zwei Meter ist er breit.

Aber nicht deshalb gilt er als größter Flop der Autogeschichte. Die neue Marke entwickelte sich zu einem Rufschädigenden Desaster für die Ford Motor Company.Benannt nach Edsel Bryant Ford, Sohn des Firmengründers Henry Ford, wurde der Edsel am 4. September 1957 präsen-tiert. Zur Auswahl standen 18 Typen: zwei- und viertürige Limousinen, Zweitürer mit Hardtop, Kombis und Cabriolet-Varianten.

Alles prima - aber die Diskussion entzündete sich am Design. Der senkrecht stehende, ovale Kühllufteinlass erinnerte manche Betrachter an einen Toiletten-Sitz, Frauenverbände glaubten sogar vaginöse Gestaltungsvorbilder zu erken-nen. Qualitätsmängel, ein wegbrechender Markt und eine unklare Positionierung gaben ihm den Rest. Am 19. November 1959 beendete Ford das Leben des Edsel nach 101847 verkauften Autos - und über einer Milliarde Dollar Verlust.


"Ich mag den Edsel sehr, weil ich damit ein Stück amerikanische Geschichte anfassen und fahren kann. Und weil das Auto niemand kennt', sagt Reiner Traudt, Werkschützer bei VW. Ersatzteile gibt es - wenn überhaupt - nur in den USA. Den Original-Stoff für die Sitze sucht er seit 15 Jahren. "Nur sechs oder sieben Autos laufen in Deutschland." Und seiner ist auch noch das Sparmodell, bis auf den 4,7-Liter-V8 fehlt eigentlich alles. Er hat keine Servolenkung, keinen Bremskraftverstärker und nur zwei Türen. Die 200 SAE-PS verpuffen fast rückstandsfrei in der Automatik, und normale Bundesstraßen wirken sehr, sehr schmal. "Auf Oldtimer-Rallyes rasier' ich damit im Parcours alle Hütchen um, aber meine Frau parkt ihn auf den Zentimeter ein", sagt Reiner Traudt. Es klingt, als gäbe es kein schöneres Autofahren.

Kein anderer floppte so gründlich

Reiner Traudt fährt schon die entschärfte 59er Edsel-Version mit geglättetem Kühlergrill - am Design des ovalen Mittelteils entzündete sich im Amerika der Fünfziger sexuelle Fantasien. Heute glauben viele Betrachter an einen Cadillac und wunderten sich über den seltsamen Namen Edsel - so hieß Henry Fords früh verstorbener Sohn, aber das wusste schon vor 50 Jahren keiner. Die Bezeich-nung Ranger markiert das einstige Basismodell: Es wirkt mit seinen Armaturen im Science-Fiction-Stil, V8-Motor und Automatikgetriebe nicht einmal karg. Anfang der Neunziger haben Reiner und Angela Traudt ihren extralangen Zwei-türer komplett restauriert.

Technische Daten: FORD EDSEl RANGER



AutoBild Klassik, 23.11.2007

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