Jahrgang 1914 - und kein bisschen leise
140 Oldtimer starteten bei der Harz-Heide-Fahrt
Norbert Schultz lenkt mit dem Ford T von 1914 das älteste Fahrzeug der Tour ins Ziel am Braunschweiger Altstadtmarkt
Von Henning Thobaben
Für ihn ist der Ritt auf dem nostalgischen Zweirad ein sich endlich erfüllender Jugendtraum. Heinz-Günter Eilers war auf seiner Zündapp aus dem Jahr 1939 einer von 140 Teilnehmern der elften Harz-und-Heide-Fahrt für Oldtimer.
"Manches von dem, was wir hier abgefahren sind, haben wir früher mit dem Fahrrad zurückgelegt", sagt der ehemalige Braunschweiger und erinnert sich an seine Jugendliebe, die er oft in Königslutter besucht hat. Im mittlerweile stolzen Alter von 73 Jahren brauste Eilers gestern motorisiert in die Elmstadt. Diesmal wartete dort zwar keine Angebetene, aber immerhin gab es kühle Getränke und ein Mittagessen.
Stärkung war auch nötig. Bereits morgens um halb zehn war der Oldtimer-Tross in Braun-schweig losgerollt. Der Großteil der PS-Lieb-haber hatte im Gegensatz zu Eilers auf vier Räder gesetzt. Über Teile Salzgitters ging es weiter in den Elm, durch den Landkreis Wolfenbüttel und schließlich zurück nach Braunschweig. Auf dem Altstadtmarkt bestaunten nach zurückgelegten 135 Kilometern hunderte von Zuschauern die ankommenden historischen Vehikel - auch die Zündapp von Eilers. Zehn Jahre lang hatte das Motorrad zunächst in der Garage des heute in Altwarmbüchen bei Hannover lebenden Bikers gestanden. "Der Motor war hin. Ich habe alles auseinandergenommen und auf Vordermann gebracht", erzählt Eilers.
Während das bei ihm klappte, ging es bei einem von der vierrädrigen Fraktion in die Hose. Einen Tag vor der Tour wollte Michael Strauß das Fahrwerk seines Talbot AV 105 noch besser in Schwung bringen. "Danach ging dann gar nichts mehr", stöhnt der Auto-Liebhaber aus Meinersen. Wie gut, dass Strauß da noch einen Zweit-Oldtimer in Reserve hatte. In einem grünen Talbot 90 aus dem Jahr 1930 flitzte er mit Ehefrau Yvonne und den Töchtern Hannah und Emma über den Asphalt.
Ein Gefühl, das der 43-Jährige aus seiner eigenen Jugend kennt. "Mein Vater war auch Oldtimer-Fan und hat mich immer mitgenommen. Toll, dieser Kampf mit der alten Maschine ohne ABS oder Servolenkung."
Letztere hätte er bei den fünf abzulegenden Prüfungen gut gebrauchen können. Mal musste er zwischen zwei Pfählen mittig einparken, ein anderes Mal möglichst kurz vor einem Hindernis anhalten. "Das hat nicht immer geklappt", sagt der Fahrer.
"Auch die Beifahrer waren gefordert", erzählt Ulrich Krämer vom Autosport- und Oldtimerclub Harz-Heide im ADAC. "Es galt, zwölf Durchfahrtskontrollen zu finden." Der Organisator konnte zufrieden sein. Nur ein Fahrzeug musste mit einem defekten Radlager ausscheiden. Kein Motor kochte. Nur manchem Fahrer lief das körpereigene Kühlwasser über die Haut.
"So lange man fährt, schwitzt man nicht", sagt Motorrad-Fan Eilers. Da waren die einstigen Radfahrten nach Königslutter schon anstrengender gewesen. "Das schaffe ich jetzt auch noch. Hin und zurück!"
Braunschweiger Zeitung, 09.06.2008
